
Die Volkskrankheit Gelenkschmerz legt Millionen Deutsche lahm
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 Pflaster bevorzugt Bei stabilem Schmerzniveau ziehen Patienten den Tabletten Schmerzpflaster vor

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Viele Menschen leiden unnötig unter chronischen Schmerzen. Foto: dgk |
In Deutschland leiden rund 7,5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Bei etwa jedem sechsten chronischen Schmerzpatienten sind die Beschwerden so stark, dass sie mit Opioiden behandelt werden müssen. Knapp 600.000 Patienten benötigen starke Opioide, so die Statistik. „Tatsächlich sind viele Betroffene aber unterversorgt, weil es in Deutschland eine große Zurückhaltung gegenüber einer Schmerztherapie mit Opioiden gibt“, berichtet Dr. Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin. Diese Zurückhaltung besteht auf Seiten der Ärzte und der Patienten. Informationsmangel ist wohl die Ursache: „Ärzte finden die Schmerztherapie erst seit gut zehn Jahren in ihrem Ausbildungsplan“, bemängelt Jansen. Die Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“ darf seit neun Jahren geführt werden.
Für Patienten ist eine Opioidtherapie häufig die Behandlungsform der letzten Lebensphase. Viele Menschen assoziieren damit den bettlägerigen Tumorpatienten und verbinden mit der Therapie viel Leid. Manchmal ist auch das Bild einer psychischen Abhängigkeit im Hinterkopf, wenn Betroffene die Opioidbehandlung ablehnen.
Diese aus längst vergangenen Zeiten stammenden Vorurteile halten sich hartnäckig, obwohl die Darreichungsform der Opioide soweit verändert wurde, dass eine individuelle und optimale Schmerztherapie machbar ist. Nach einer Umfrage des Deutschen Grünen Kreuzes e. V. wissen 90 Prozent der Patienten nicht, dass der Körper selbst kurzfristig zum Schutz vor unerträglichen Schmerzen Opioide (Endorphine) bilden kann, um die Beschwerden vorübergehend zu lindern. Die von außen zugeführten Opioide ahmen diese körpereigenen Mechanismen nach. Deshalb ist auch bei langer Anwendung keine Organschädigung zu befürchten. „Sie sind daher bei einer Dauertherapie verträglicher als andere Schmerzmittel“, bestätigt der Berliner Schmerzexperte.
Voraussetzung für eine dauerhafte Schmerzfreiheit bei chronischen Schmerzen ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente. „Die nächste Dosis muss eingenommen werden, bevor die vorherige ihre Wirkung verloren hat“, so Jansen. Gleichmäßige Wirkstoffspiegel gewährleisten nicht nur gleichmäßige Schmerzlinderung, sondern vermeiden psychische Abhängigkeit.
„Patienten mit stabilem Schmerzniveau, die also über einen längeren Zeitraum mit immer derselben Schmerzmittelmenge auskommen, können seit einigen Jahren mit Schmerzpflastern behandelt werden“, rät Jansen. Diese Therapieform hat für die Betroffenen entscheidende Vorteile: Pflaster müssen nur alle drei Tage gewechselt werden. Die Patienten werden nicht durch ständige Arzneimitteleinnahme an ihre Erkrankung erinnert. Andere, die bereits viele Tabletten einnehmen müssen, ersparen sich durch das Pflaster weitere Pillen. Außerdem wird durch das Schmerzpflaster der Magen-Darm-Trakt umgangen. „Typische Opioid-Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfung lassen sich dadurch verringern“, weiß Jansen aus Erfahrung.
Die Pflaster sind inzwischen kleiner, dünner und unauffälliger als die ersten Generationen. Sie sind außerdem hautfreundlicher, weil keine Stoffe zur Beschleunigung des Transportes durch die Haut mehr benötigt werden. Auch die Klebeeigenschaften wurden verbessert, so dass baden, duschen und schwimmen jetzt möglich sind. Bei stabiler Dosierung und nach Befragen des Arztes ist mit den Pflastern auch das Autofahren erlaubt. Von vielen aktiven Schmerzpatienten werden die Pflaster daher bevorzugt, denn dadurch wird ein fast normaler Alltag wieder möglich.
„Die Behandlung mit Opioiden ist nicht nur Tumorpatienten in der terminalen Lebensphase vorbehalten“, betont Jansen. Bei vielen Erkrankungen, wie beispielsweise Gürtelrose, Arthrose, Schaufensterkrankheit, chronischen Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen können Opioide das Mittel der Wahl sein. Die Schmerzstärke und Beschaffenheit sind entscheidende Kriterien für die Wahl des Arzneimittels. „Schmerzpatienten sollten sich daher zügig an einen Schmerztherapeuten wenden“, ist Jansen überzeugt.
Tipp: Adressen von Ärzten mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ finden Sie im Internet unter www.forum-schmerz.de . Eine Informationsbroschüre mit dem Titel „Starke Schmerzen bewältigen“ kann gegen Einsendung eines mit € 1,44 frankierten und adressierten DIN A5-Rückumschlages anfordern können bei: Deutsches Grünes Kreuz, Stichwort „Schmerzen“, Postfach 1207, 35002 Marburg. (Quelle: dgk)
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