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 Frühe Schmerztherapie verhindert Schmerzgedächtnis Unbehandelte Schmerzen können chronisch werden

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Jeder unbehandelte Schmerz kann chronisch werden und treibt den Betroffenen zur Verzweiflung. Eine rechtzeitige Schmerztherapie kann diese Entwicklung stoppen. Foto: Pixland |
Wenn Schmerzen über längere Zeit nicht ernst genommen werden, kann aus dem Alarmsignal „akuter Schmerz“ eine dauerhafte Erkrankung werden. Chronische Schmerzen haben nämlich ihre Warn- und Schutzfunktion verloren. Sie sind da, obwohl es keine Ursache mehr für sie gibt. Chronische Schmerzen stellen eine Dauerbelastung für Betroffene dar. Eine frühzeitige Behandlung akuter Schmerzen ist daher besonders wichtig.
Tut der Körper weh, ist dies ein wichtiges Signal, dass etwas nicht in Ordnung ist. Der Körper reagiert darauf. „Typisches Beispiel für einen akuten Schmerz ist eine Verbrennung“, erläutert Dr. Dietmar Krause, Leiter des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e.V., Marburg. Flucht vor der Hitzequelle ist die sofortige Reaktion auf den Schmerz. „Doch manchen Schmerzen kann der Organismus nicht einfach entrinnen“, meint der Experte.
Die Schmerzreize werden vom Ort der Entstehung durch spezielle Nervenfasern ins Rückenmark geleitet. Vom Rückenmark aus gelangen die Informationen über unterschiedliche Schmerzbahnen weiter zu verschiedenen Regionen im Gehirn. Im Hirnstamm löst das Schmerzsignal beispielsweise vegetative Reaktionen wie Schweißausbruch oder Herzklopfen aus. Die eigentliche Schmerzwahrnehmung und –verarbeitung erfolgt im Großhirn. Hier wird das Schmerzgeschehen mit bisherigen Erfahrungen verglichen und bewertet.
„Wenn Schmerzsignale sich ständig wiederholen, können sich die Nervenfasern dauerhaft verändern“, erklärt Krause. Es bildet sich ein „Schmerzgedächtnis“. „Die Folge ist, dass selbst leichte Reize wie Berührung, Wärme oder Dehnung plötzlich als Schmerz empfunden werden“, weiß der Schmerzexperte.
„Um diesen Prozess aufzuhalten, müssen die Schmerzimpulse frühzeitig durch eine geeignete Behandlung unterdrückt werden“, betont Krause. Andernfalls verliert der Schmerz seinen Sinn als Warnsignal und kann chronisch werden.
„Die Behandlung hängt unter anderem von der Ursache der Beschwerden und der Schmerzintensität ab“, erklärt Dr. Wolfgang Sohn, Allgemeinarzt und Schmerztherapeut aus Schwalmtal. Da Schmerzen sehr unterschiedlich empfunden werden, ist die Schmerztherapie in der Regel individuell verschieden. Als Faustregel gilt „starke Schmerzen werden mit stark wirksamen Schmerzmitteln und leichte Beschwerden mit einfachen Mitteln bekämpft“.
So kann es sein, dass eine Schmerzbehandlung mit den stärksten zur Verfügung stehenden Mitteln, den Opioiden beginnt. „Die Furcht vor Opioiden ist unbegründet, meint Sohn. Opioide können auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, ohne wirkungslos zu werden oder – wie andere Schmerzmittel – Organschäden zu verursachen. Durch verbesserte Darreichungsformen, wie Fentanyl-haltige Schmerzpflaster, werden auch häufige Nebenwirkungen, wie Verstopfung, vermindert.
Erster Ansprechpartner sollte der Hausarzt sein. Kommt er nicht weiter, kann er an einen Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ überweisen. „Lassen Sie die Beschwerden keinesfalls unbehandelt,“ rät Sohn.
Tipp
Weitere Informationen zum Thema bietet die Broschüre „Starke Schmerzen bewältigen“, die Sie gegen Einsendung eines mit 1,44 Euro frankierten DIN A5-Rückumschlages unter dem Stichwort: Chronische Schmerzen beim Deutschen Grünen Kreuz, Postfach 12 07, 35002 Marburg, anfordern oder als Download unter www.forum-schmerz.de herunterladen können. (Quelle: Dr. Corinna Kolac; dgk)
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