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 Das „Piratenpflaster“ als Therapie – Augendiagnostik in der Kinder-Sehschule Informationen zum Service Gesundheit
 Schielen
Der Silberblick war früher eher etwas Exotisches. Dabei ist Schielen alles andere als ein harmloser Schönheitsfehler. Schielen ist eine ernstzunehmende Sehstörung. Rund 7 Prozent eines jeden Geburtsjahrgangs sind von dieser Fehlstellung der Augen betroffen. Leider wird das Problem oft erst bei der Einschulung erkannt. Kopfschmerzen und Leseprobleme sind häufige Symptome. Dann ist es schon fast zu spät. Denn je früher diese Störung erkannt wird, desto besser ist sie zu beheben. Behandelt wird das Schielen in der so genannten Sehschule.
Die Orthoptik:
Die Orthoptik ist eine Fachrichtung in der Augenheilkunde, die sich mit dem „Geraden sehen“ beschäftigt. Das ist die wörtliche Übersetzung aus dem griechischen – „ortho(s)“ = gerade und „opsis“ = sehen. Mit anderen Worten: Orthoptistinnen untersuchen ob Kinder schielen und ob sie kurz- oder weitsichtig sind. Häufig ist das Schielen auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Es muss aber auf jeden Fall behandelt werden.
Ein Auge wird „abgeschaltet“:
Ist die Projektion der beiden Augen auf einen Punkt der Wahrnehmung gestört, beginnt das Kind mehr oder minder stark zu schielen. Es entsteht eigentlich ein Doppelbild. Diesen Effekt beginnt das Gehirn des Kindes sofort zu korrigieren. Mit fatalen Folgen. Das Doppelbild wird aus dem falsch stehenden Auge „weggerechnet.“ Durch diesen unbewussten Abschaltvorgang kann das eigentlich gesunde „Schiel-Auge“ auf Dauer seine Sehkraft verlieren.
Die Abklebe – oder Okklusionstherapie:
Damit das „Schiel-Auge“ seine Sehkraft behält, gibt es in der Sehschule inzwischen eine einfache Therapie: das führende Auge wird abgeklebt. Früher mussten Kinder ihr „abgeschaltetes“ Auge mit bestimmten Übungen trainieren, deshalb auch das Wort Sehschule. Doch diese Behandlung gilt inzwischen als veraltet. Bei der Okklusionstherapie wird das „gute“ Auge je nach der Schwere des Schielens und dem Alter des Kindes über mehrere Tage zugeklebt. Der Rhythmus wird individuell angepasst. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass bei einer starken Sehschwäche das Auge vier Tage zugeklebt wird, und am 5. Tag nicht. Dann wird es wieder über vier Tage zugeklebt - und so weiter.
Ein Tipp für Eltern: damit Kinder die anstrengende Therapie akzeptieren, kann zum Beispiel auch der Teddy oder die Puppe ein Pflaster aufs Auge bekommen oder für ein lange gewünschtes Geschenk können pro Abklebetag Bonuspunkte gesammelt werden.
Operation:
Bei einer starken Fehlstellung des Auges hilft eine Brille allein meist nicht weiter. Oft muss dann auch operiert werden. Je nach Schielwinkel werden dabei die Muskeln des betroffenen Auges verkürzt oder verlängert. Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt, das Kind bleibt dazu in der Regel zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Nach der OP ist eine regelmäßige Kontrolle über Jahre wichtig, denn das operierte Auge kann mit der Zeit wieder ins Schielen zurückfallen. Bei jedem sechsten Kind ist das so.
Empfehlung:
Um eine Fehlstellung der Augen gar nicht erst entstehen zu lassen, sind aufmerksame Eltern gefragt. Sie sollten ihr Kind gut beobachten. Augenzittern, Kopfschiefhalten, häufiges Stolpern und Anstoßen sind einige Symptome für schlechtes Sehen. Außerdem wird das Schielen oft vererbt. Empfehlung der Experten: Gibt es in der Familie Augenprobleme, sollten die Eltern mit ihrem Kind (ab dem 2. Lebensjahr) vorbeugend zum Augenarzt gehen. Auch wenn bis dahin keine sichtbaren Symptome aufgetreten sind.
Information
Internetseite des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands
www.augeninfo.de
Adresse:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA)
D-40474 Düsseldorf * Tersteegenstr. 12
D-40401 Düsseldorf * Postfach 30 01 55
Tel (0211) 43037-00
Fax (0211) 43037-20
Internetseite des Berufsverbandes des Orthoptistinnen Deutschlands (BOD),
www.orthoptistinnen.de
Adresse: BOD, Josephsplatz 20, 90403 Nürnberg, Tel: 0911/22001 (Quelle: Leonardo, WDR)
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