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Neue Therapie zur Migränevorbeugung
Nach über zehn Jahren ist dies gelungen


Häufige Migräne belastet die Betroffenen schwer und kann zu einem chronischen Leiden werden. Eine gezielte medikamentöse Vorbeugung kann die Attacken verringern. Foto: pixland

Migräne ist nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Angehörige oder Arbeitskollegen eine enorme Belastung. Während eines Migräneanfalls ist oft an einen normalen Tagesablauf nicht zu denken. Bei Patienten, die mehrmals im Monat mit den Beschwerden leben müssen, ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt.

„Da gibt es doch spezielle Schmerzmittel“ meinen oft diejenigen, die von der Erkrankung nicht selbst betroffen sind. Das ist zwar richtig, doch nehmen Migränepatienten die Akutmedikamente erst ein, wenn die Attacke im Anmarsch oder schon da ist. Oft lindern die Medikamente die Beschwerden, der Alltag und die Leistungsfähigkeit sind trotzdem erheblich beeinträchtigt.

Wichtige Termine müssen verschoben werden oder die Familie kommt zu kurz. Außerdem profitieren längst nicht alle Patienten von dieser Akutbehandlung. Nach einem Herzinfarkt oder bei Durchblutungsstörungen dürfen zum Beispiel so genannte Triptane nicht angewendet werden. Auch für Patienten mit vielen Attacken pro Monat sind dauerhaft angewendete Akutmedikamente keine Alternative, weil dadurch selbst Kopfschmerzen ausgelöst werden können und die Gefahr besteht, dass sich aus häufigen, wiederkehrenden Migräneattacken eine chronische Migräne entwickelt.

Deshalb könnten viele Betroffene von einer Migränevorbeugung profitieren. Denn wenn die Attacken gar nicht erst auftreten, gewinnt der Patient wieder Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Auch das Risiko der Chronifizierung könnte verringert werden. Bislang wurden zur Vorbeugung vorwiegend die Betablocker wie Metoprolol und der Kalziumantagonist Flunarizin eingesetzt. „Mit dem Wirkstoff Topiramat, der seit August 2005 in Deutschland erhältlich ist, gibt es nun eine neue Therapiemöglichkeit zur Vorbeugung von Attacken“, meint Dr. Dietmar Krause, Leiter des Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e.V., Marburg. In den aktuellen Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften wurde der Wirkstoff bereits neben anderen Substanzen als ein Mittel der Wahl aufgenommen.

„Für Topiramat liegen aussagekräftige wissenschaftliche Daten vor“, bestätigt der Marburger Schmerzexperte weiter. In Studien verminderten sich bei der Hälfte aller Patienten die Attacken etwa um die Hälfte. Bei einem Viertel reduzierte sich die Häufigkeit sogar um 75 Prozent, so Krause. „Der Wirkeintritt kann schon in den ersten vier Wochen der Behandlung erfolgen“, betont Krause. Nebenwirkungen können, wie bei allen anderen Medikamenten, auch bei dieser Therapie auftreten. Mit am häufigsten wurde ein Kribbeln in Händen oder Füßen beobachtet. Betroffene sollten sich in diesem Fall an ihren Arzt wenden. Ein positiver Nebeneffekt für die Patienten ist, dass bei der Behandlung kein Anstieg des Körpergewichts zu beobachten ist.

Eine vorbeugende Behandlung mit Topiramat eignet sich für Migränepatienten mit drei und mehr Migräneattacken pro Monat, bei Attacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden anhalten oder bei komplizierten Verläufen mit lang anhaltenden Auren. Vor allem, wenn die bisherige medikamentöse Therapie nicht gewirkt hat, von den Patienten nicht vertragen wurde oder zu viele Schmerzmittel im Monat eingenommen wurden, gibt es nun eine neue Therapiemöglichkeit. (Quelle: DGK, Autor: Dr. Dietmar Krause)


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