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Wenn gerade Linien krumm erscheinen
Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache von Altersblindheit in der westlichen Welt – aber dennoch nahezu unbekannt

Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan. Für viele Menschen ist die Erblindung oder der hochgradige Sehverlust einer der schlimmsten denkbaren Schicksalsschläge. Die Angst vor dem Verlust des Sehorgans ist real und trägt vor allem für ältere Men-schen einen Namen: altersabhängige Makuladegeneration.

Im Idealfall arbeiten alle Teile des Auges perfekt zusammen und er-lauben ein exzellentes Sehvermögen. Hornhaut und Linse brechen das Licht so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Die Iris sorgt durch Weiten oder Engstellen der Pupille dafür, dass genau die exakte Lichtmenge ins Auge gelangt. In der Netzhaut befinden sich rund 130 Millionen Photorezeptoren (Zapfen und Stäbchen), die aus den einfallenden optischen Reizen jene Impulse über den Sehnerv in die Sehrinde des Gehirns weiterleiten, aus denen dieses dann ein Bild erstellt, das wir “wahrnehmen”.

Makula: Die ganze Welt auf wenigen Quadrat-Millimetern
Der wichtigste Teil der Netzhaut sind jene wenigen Quadratmillimeter in ihrer Mitte, in der die Photorezeptoren dichter gepackt liegen als an-derswo. Hier, in der Makula, entsteht das “scharfe Bild”, ohne das Le-sen, Fernsehen oder das Erkennen von Gesichtern nicht möglich wä-re.

Wie viele andere Organe unterliegt auch das Auge Veränderungen durch das Alter. Die Makula leidet besonders stark unter Alterungspro-zessen wie abnehmende Sauerstoffversorgung oder dem mangelnden Abtransport von Stoffwechselprodukten. Diese Ablagerungen von Stoffwechselschlacken, die so genannten Drusen, können für den Au-genarzt bei der Untersuchung des Augenhintergrundes das erste sichtbare Zeichen für eine beginnende AMD darstellen. Nicht jeder Pa-tient mit Drusen entwickelt auch das Vollbild einer AMD - ein Warnzei-chen sind sie jedoch trotzdem und auch eine Mahnung zu regelmäßi-ger augenärztlichen Kontrolle. Die Möglichkeiten, mit modernen The-rapien den Menschen zu helfen und einen schweren Sehverlust zu verhindern, sind umso besser, je früher die Krankheit erkannt und be-handelt wird.

Trocken oder feucht?
Die AMD kann in zwei verschiedenen Formen auftreten: Bei der tro-ckenen Form kann die Anzahl der Drusen zunehmen und schließlich zu einem Krankheitsbild führen, bei dem die Photorezeptorzellen in großer Zahl absterben. Die trockene Makuladegeneration schreitet in aller Regel langsam voran, der Bereich mit abgestorbenem Netzhaut-gewebe wird im Laufe von Jahren allmählich größer. Der Patient selbst bemerkt im Anfangsstadium zunächst kaum etwas von den Verände-rungen. Die Farben können blasser als früher erscheinen, die Gewöh-nung an eine dunklere Umgebung dauert länger als früher. Doch dann fällt das Lesen zunehmend schwerer, da genau die Buchstabenfolge, die man mit dem erkrankten Auge fixiert, verschwommen ist. In fortge-schrittenen Stadien ist das Zentrum des Gesichtsfeldes ausgelöscht und erscheint nurmehr als blasser oder dunkler Fleck, der mitwandert.

Wenn die Blutgefäße wild wuchern
Wesentlich schneller und dramatischer verläuft diese Entwicklung bei der feuchten AMD, bei der sich krankhafte Blutgefäße im Bereich der Makula bilden. Ein wichtiger, erst in jüngster Zeit identifizierter Auslö-ser dieser Gefäßneubildung ist der Wachstumsfaktor VEGF 165 (vas-cular endothelial growth factor). Die neuen Blutgefäße dringen in die Netzhaut ein, können sie teilweise oder auch ganz im Makulabereich abheben. Die Gefäße sind minderwertiger Natur und ihre Wände nicht dicht, so dass Flüssigkeit und Blut austreten können. Der Flüssigkeits-austritt kann unter Umständen sehr akut zu einer gravierenden Verrin-gerung des Sehvermögens führen.

Patienten hoffen auf neue Waffe gegen Altersblindheit
Menschen mit einer feuchten AMD sind in besonders hohem Maße ge-fährdet, ihre Sehschärfe zu verlieren. Die feuchte AMD ist zwar die sel-tenere Form der Erkrankung, aber die weitaus gefährlichere. Fast neunzig Prozent der AMD-bedingten schwerwiegenden Sehverluste gehen auf die “feuchte” Variante zurück. Gerade bei dieser gefährliche-ren Form der AMD bietet sich allerdings seit kurzem neue Hoffnung für die Betroffenen. Im Mai dieses Jahres wurde eine schon in den USA zugelassene Therapie auch in Deutschland für die Behandlung der feuchten AMD eingeführt. Der Wirkstoff wird dabei direkt in das betrof-fene Auge gespritzt und hemmt dort den Wachstumsfaktor VEGF 165. Die Neubildung von Blutgefäßen wird so unterdrückt und das Fort-schreiten der Krankheit kann gestoppt werden. Bei einigen Patienten kommt es sogar zu einer Verbesserung der Sehkraft. Der Erfolg der Therapie ist am größten, wenn frühzeitig mit der Behandlung begonnen wird. (Quelle: DGK)


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